Die Ausbeutung Afrikas

Macron erhielt gerade in Aachen den Karlspreis für seine Verdienste um Europa.  Er stichelte in seiner Rede gegen die deutsche Haushaltspolitik. Zuvor hatte er in einem Interview seine Forderungen nach (deutschen) Transferleistungen in Europa wiederholt.

Vielleicht ist dies ein guter Anlass, sich damit zu beschäftigen, wie Frankreich seit Jahrzehnten immer noch seine ehemaligen Kolonien in Afrika ausbeutet. Frankreich hat seinen ehemaligen Kolonien wie Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo(Brazzaville), Äquatorial-Guinea und Gabun bei ihrer Unabhängigkeit Verpflichtungen aufgezwungen, die diese Länder in ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Selbständigkeit beschränken.

Für die von Charles de Gaulle initiierte und von seinen Nachfolgern fortgesetzte Politik gegenüber den ehemaligen afrikanischen Kolonien ist der Begriff Françafrique geprägt worden.
Unter diesem Begriff versteht man mehr als nur klassische diplomatische Beziehungen. Häufig ist damit die Beteiligung an Wahlfälschungen, an Putsch(versuchen) zur Unterstützung befreundeter politischer Regime oder gar an militärischen Geheimoperationen gegen missliebige Regierungen afrikanischer Staaten gemeint. Nach dem Willen von de Gaulle sollte die traditionelle französische Einflusssphäre trotz Entkolonialisierung aufrechterhalten werden, um weiterhin den wirtschaftlichen Interessen Frankreichs zu dienen. Der Zugang zu Energieressourcen im alten kolonialen Machtbereich, der beispielhaft für die französischen Interessen in Afrika ist, galt als Garant für die energiepolitische Unabhängigkeit und somit den machtpolitischen Einfluss Frankreichs auf internationaler Ebene.

Französisch als Sprache ist Pflicht. Da die „Grande Nation“ beim schmerzhaften Prozess der Entkolonialisierung in den 60er- und 70er-Jahren nie die eigenen Interessen aus dem Auge verloren hat, blieb auch Französisch als Amts- und Lehrsprache Pflicht.

Die Staaten müssen den CFA-Franc¹ als Währung  nutzen, der eng an den Franc gebunden war und heute an den Euro gebunden ist. Allerdings ist Frankreich allein für den CFA-Franc zuständig, die Staaten können sich diesbezüglich nicht an die EZB oder die EU wenden. So wurde zum Beispiel die Abwertung des CFA-Franc 1994 allein durch die Banque de France beschlossen und den CFA-Staaten  mitgeteilt.  Eine Abstimmung mit den Banken der betroffenen Länder fand nicht statt.

Die CFA-Länder haben auf 85 % ihrer Währungsreserven keinen Zugriff, da diese beim Agence France Trésor zu hinterlegen sind. 65 % ihrer Währungsreserven haben die CFA-Länder zu hinterlegen, als Ausgleich für die Garantie der CFA-Franc-Konvertibilität durch die Republik Frankreich. Weitere 20 % ihrer Währungsreserven haben die Länder zu hinterlegen, um finanzielle Unwägbarkeiten abzusichern.

In den CFA-Ländern sind mehrere Tausend französische Soldaten stationiert. Die Militärkooperation mit den dortigen Regierungen soll die amtierenden afrikanischen Präsidenten vor Angriffen schützen und dabei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen dienen.

Seit der Unabhängigkeit seiner afrikanischen Kolonien  hat Frankreich eine Vielzahl von Militärinterventionen in Afrika, vor allem der CFA-Zone, durchgeführt. 1964 führte Frankreich in Gabun seine erste Militärintervention in einem CFA-Staat durch. Seither hat es durchschnittlich alle 14 Monate eine große Militärintervention in Afrika durchgeführt (1964–2007: 37 Militärinterventionen). Ziel dieser Interventionen war es jeweils, Frankreich-freundliche Regierungen an der Macht zu halten oder an die Macht zu bringen. Dabei hat Frankreich wiederholt Diktatoren und Despoten geschützt und demokratische Entwicklungen verhindert.

Die Verträge über die militärische Kooperationen wurden 2008 verlängert und sind daher auch heute noch gültig. Als Gegenleistung erhält Frankreich vorrangigen Zugang zu strategischen Rohstoffen, etwa Diamanten, Erze, Uran sowie Gas- und Ölvorkommen.

Kritiker werfen Frankreich und den regierenden Eliten in den ehemaligen Kolonien vor, der einzige rationale Grund für die Existenz des CFA-Franc sei ein stillschweigendes Übereinkommen, um die Staaten der Franc-Zone auszuplündern. Der CFA-Franc verhindere  eine eigenständige Wirtschafts- und Sozialpolitik der betreffenden Staaten. Er bremse die Entwicklung und behindere die regionale Integration.

Folgerichtig gehören die CFA-Staaten zu den Ländern mit den niedrigsten Einkommen in der Welt. Gleichzeitig gehören sie aber zur Gruppe der hochverschuldeten Entwicklungsländer. Von den vierzehn Staaten haben neun eine Alphabetisierungsrate von unter 50 %. Unter den zehn am wenigsten alphabetisierten Staaten der Welt sind sieben CFA-Staaten. Die vier am wenigsten alphabetisierten Länder weltweit sind die CFA-Staaten

  • Niger mit einer Alphabetisierungsrate von 28,7 %,
  • Tschad mit 25,7 %,
  • Mali mit 24,0 % und
  • Burkina Faso mit 23,6 %.

Die Kinder der CFA-Zone haben – im weltweiten Vergleich – die geringsten Schulbesuchsquoten. So besuchen in Niger nur 36 % der Jungen und 25 % der Mädchen eine Grundschule, in Burkina Faso sind es 35 bzw. 29 %. Weltweit ist die Möglichkeit für Mädchen Schulen zu besuchen in der CFA-Zone am geringsten!

Die politische Elite Frankreichs jedenfalls hat von der Ausbeutung der nun selbständigen Kolonien profitiert. Zum Beispiel erhielt Valéry Giscard d’Estaing Diamanten vom Diktator, „Kaiser“ und Massenmörder Bokassa Koffer mit Geld wurden in den Ex-Kolonien gefüllt und diversen französischen Politkern gebracht. Wiederholt werden Namen wie Chirac, Villepin und Juppé genannt. Es scheint bei diesen „Eliten“ die Befürchtung zu herrschen, dass Frankreich ohne die Ausbeutung Afrikas in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit versinken könnte. Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac soll im März 2008 gesagt haben: „Ohne Afrika würde Frankreich in den Rang eines Drittweltlandes abrutschen.

Es würde hier zu weit führen, die vielen Militärinterventionen und Attentate ausführlich auszuführen. Aber zur Erhaltung von Macht und Ausbeutung ist Frankreich nicht  vor solchen Untaten zurückgeschreckt. Von der Ermordung Olympios in Togo, der angeblich den CFA-Raum verlassen wollte, über den Bürgerkrieg in Kamerun  1964, den Schutz von Massenmördern wie Bokassa oder Habré,  der dubiosen Rolle in Burundi 1994 bis zu heutigen Operationen zieht sich eine blutige Spur durch Afrika.

Und daher müssen wir uns auch fragen, ob Bundeswehrsoldaten in Mali ihr Leben für die Menschenrechte und die Freiheit riskieren, oder ob sie nur die Pfründe einer korrupten Elite schützen müssen.

¹ CFA hieß früher Colonies Françaises d’Afrique, heute Communautés Françaises d’Afrique

Quellen:

https://www.bpb.de/internationales/europa/frankreich/166091/abschied-von-der-francafrique

https://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc-Zone#Franc-W.C3.A4hrungsraum_heute

https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-afrika-101.html

https://www.n-tv.de/politik/Ein-Schattenmann-plaudert-article4281571.html

http://www.businessinsider.com/frances-military-is-all-over-africa-2015-1?r=US&IR=T&IR=T

14 afrikanische Länder von Frankreich gezwungen, Kolonialsteuer für die Wohltaten der Sklaverei und Kolonisierung zu zahlen

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