Tempo 80

Frankreich führt nun zum 1.7.2018  Tempo 80 (80 km/h) auf allen zweispurigen Landstraßen ohne Trennstreifen ein. Ziel ist es, die Anzahl der Verkehrstoten zu senken, in 2016 3.655 laut der einen Statistik oder 54 Tote je Million Einwohner in 2015 laut der anderen Statistik. Für die Senkung der Geschwindigkeit spricht der kürzere Bremsweg aus 80 km/h und ein weniger gewaltsamer Aufprall beim Frontalzusammenstoß!

Es geht also nicht darum, Unfälle zu vermeiden, sondern darum, die Statistik zu schönen mit weniger Toten. Im Prinzip der Offenbarungseid der französischen Verkehrspolitik!

Unter Sarkozy als Innenminister und später als Präsident fiel die Zahl der Verkehrstoten, unter Hollande stieg sie wieder an. Das deckt sich mit meinem subjektiven Eindruck, dass unter Hollande die Anzahl der mobilen Radarkontrollen auf den Landstraßen weniger wurde.

Welchen Sinn macht diese Maßnahme, wenn die Regierung nicht in der Lage oder willens ist, die bestehenden Tempolimits 50, 70, 90 (oder nun 80) auch durch intensive Kontrollen durchzusetzen?

Auf den Landstraßen wird hemmungslos gerast. Kleine Ortsdurchfahrten ohne Schwellen werden nicht zur Kenntnis genommen, da geht keiner vom Gas! Tempo 70 interessiert kaum jemanden, so lange dort nicht gemessen wird! Und das wird es nicht. Und wer hält sich schon an 90, wenn nicht gerade so ein lächerliches Warnschild auf den nächsten Radar hinweist? Wann werden endlich diese Warnschilder abgebaut?

Ich kenne einige Stellen auf der Autobahn oder auf der Landstraße, wo so ein Warnschild in einem Bereich reduzierter Geschwindigkeit steht, das Radargerät aber erst dahinter außerhalb. Was soll das? Will man nicht wirklich Temposünder fangen?

Und was ist mit den weiteren Unfallursachen wie Telefonieren mit Portable am Ohr während der Fahrt? Oder Alkohol am Steuer? Wo ist denn die Gendarmerie bei den Ortsfesten hier im Sommer? Jedenfalls nicht in der Nähe.

Außerdem könnte es nicht schaden, wenn die Franzosen wieder das Rechtsfahren lernen würden, keine Kurven mehr schneiden oder durchgezogene Linien auf der Fahrbahnmitte respektieren würden.

Noch ein Blick in die Statistik: In den kleinen Ländern wie Dänemark und Niederlande gilt Tempo 80, ebenso wie im größeren Finnland. Finnland lag 2015 mit 49 Toten je Million Einwohner vor Frankreich, aber hinter dem „RaserlandDeutschland (43). Und vor Dänemark und Niederlande (je 31) lag noch Großbritannien mit 28, wo man doch dort ca. 96 km/h fahren darf. Auch Spanien mit 36 lag 2015 klar vor Frankreich, aber in Spanien darf man nicht nur 90 km/h, sondern auf auch mal 100 km/h auf der Landstraße fahren, wenn die Straße besonders gut ist. Und Frankreich hat übrigens oft schlechtere Straßen als Spanien. Vielleicht  sollte Frankreich auch mal in den Straßenbau investieren: LKWs, Traktoren und auch PKWs werden immer breiter, Frankreichs Landstraßen eher nicht.

Die Umrüstkosten für Straßenschilder und stationäre Radars hat die Regierung mit 5 bis 10 Millionen Euro veranschlagt.

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