Nochmal Tempo 80

Nun darf man seit einigen Wochen mit maximal 80 km/h über Frankreichs zweispurige Straßen bummeln. Das Ziel dieser Maßnahme soll es ja sein, bei Frontalzusammenstößen die Wucht des Aufpralls zu verringern und so den Insassen mehr Überlebenschancen zu bieten.

Für dreispurige Straßen ohne Trennung gilt aber weiterhin Tempo 90 für die Fahrtrichtung mit den zwei Spuren, Tempo 80 für die einspurige Richtung. Welchen Sinn macht das? Gibt es hier weniger Chancen für den Frontalzusammenstoß?

Auf einem zweispurigen Autobahnzubringer ohne Trennung namens A641 durfte ich kürzlich auch noch Tempo 90 nutzen. Ist auch hier das Risiko geringer?

Die eigentlichen Unfallursachen bleibe beim neuen Tempolimit völlig außer acht! Alkohol, Telefonieren und andere Ablenkung sowie mutwilliges Rasen. So raste vor wenigen Tagen ein Lieferwagen mit der Aufschrift „dpd“ mit ca. 100 km/h durchs Dorf, der Fahrer hatte sichtbar sein Smartphone in der rechten Hand vor sich und war ganz darauf konzentriert. Ich bin sicher, der Kerl hat weder mich noch meinen Hund am Straßenrand gesehen! Solche Typen gehören aus dem Verkehr gezogen, um Frankreichs Straßen sicherer zu machen! Und das geht nur mit besserer Überwachung.

Immer mehr Pestizide!

Die SudOuest meldete heute die üble Information, dass der Pestizidverbrauch in Frankreich in den Jahren zwischen 2014 und 2016 um 12 % gestiegen sei. Diese Zahl veröffentlichten die Ministerien für Landwirtschaft, Gesundheit, Forschung und Ökologische Wende.

https://www.sudouest.fr/2018/07/29/l-usage-de-pesticides-a-augmente-de-12-en-deux-ans-en-france-5270734-10407.php

Die Pläne der diversen Regierungen seit 2008 zur Begrenzung des Pestizidverbrauchs auf 50 % bis 2018  sind gescheitert. Die 4 Ministerien haben daher neue Aktionspläne vorgestellt.

Ausflug zum Bassin d’Arcachon

Letztes Wochenende unternahmen wir einen Ausflug zum Bassin d’Arcachon und zur Dune du Pilat. Wir hatten dazu ein Hotel am Strand in Andernos-les-Bains gebucht. 

Am Freitag Mittag fuhren wir zunächst über die Autobahn Richtung Bordeaux und dann über breite, leere Landstraßen der Gironde zum Südrand des Bassin und von dort über Stadt-/Dorfstraßen durch eine ganze Reihe von Gemeinden zum Hotel. Es war schon eine langweilige Zuckelei mit Tempo-80 über diese Landstraßen 🙁 , noch mühsamer war dann die Fahrerei über die Dorfstraßen von Biganos bis Andernos-les-Bains.

Das Bassin ist ziemlich flach und wirkt bei Ebbe leer.  Bei Flut watet man viele Meter bei Andernos-les-Bains durch nicht einmal Knie-tiefes Wasser, das piss-warm ist. :mrgreen:

Am nächsten Morgen stand dann der Besuch der Düne von Pilat auf dem Programm. Die A660 bzw. N250 war ziemlich voll und es gab reichlich Stau. Zum Glück wollten die wenigstens zur Düne, sondern wohl nach Arcachon.

Der Parkplatz an der Düne war schattig, der Weg zu Aufstieg auch. Obwohl eine Treppe mit Betonstufen auf die Düne führt,  entschieden wir uns für den Aufstieg durch den Sand – bei vollem Sonnenschein.

Die Dune du Pilat ist die größte Wanderdüne Europas,  bis zu 110 Meter hoch, ca. 500 Meter breit, etwa 2,7 Kilometer lang und von Pinienwäldern umgeben.

Am Sonntag besuchten wird das Cap Ferret auf der gleichnamigen Halbinsel, die das Bassin fast verschließt. Wieder waren viele Autos unterwegs und es gab Staus – verursacht durch die Kreisverkehre der D106 – bis zu den ersten Ortschaften auf der Halbinsel.

Unser erster Halt war der Südzipfel – „La Pointe„. Von dort hat man einen guten Ausblick auf die Düne auf der anderen Seite.

Nächster Halt war am Leuchtturm von Cap Ferret. In Anbetracht der Temperaturen – 30° – haben wird uns den Aufstieg zu Fuß (kein Aufzug 🙁 ) erspart.

Letzter Halt war dann in L’Herbe, wo eine Kapelle im orientalischen Stil von einem Algerien-Heimkehrer im 19. Jahrhundert direkt am Strand erbaut worden war. Bei L’Herbe schien das Bassin etwas tiefer zu sein – zumindest bei Flut.

Die Abendessen nahmen wir in Andernos-les-Bains ein. Obwohl in der Bucht Austern gezüchtet werden, war die örtliche Gastronomie doch sehr von den touristischen Standardgerichten wie Pizza und Burger geprägt.

Montag ging es dann zurück.

Gewitter

Nach einigen heißen, trockenen Tagen kamen nun die unausweichlichen Gewitter. Das erste fegte kurz, aber heftig über uns hinweg, „frisierte“ Bäume und Sträucher in Windrichtung und brachte in kürzester Zeit 25 mm/m² Regen.  Überraschender Weise konnte alle 3 Wettervorhersagen übereinstimmend die Uhrzeit des Beginns fast genau voraussagen. Das haben die noch nie geschafft.  :mrgreen:

Am nächsten Tag fast zur selben Zeit kam das nächste Gewitter. Der Wind setzte seine Arbeit fort und riss den Wein von der Stallwand. Der Regen war weniger heftig, länger anhaltend und brachte es auch auf 22 mm/m².

Frankreichs gefährliche Straßen

Kurz vor der Einführung von Tempo 80 auf den Landstraßen haben 2 Zeitungen im Südwesten Karten mit den unfallträchtigsten Straßen der Départements im Südwesten veröffentlicht.

Aquitanien:
https://www.sudouest.fr/2018/06/18/securite-routiere-les-routes-les-plus-meurtrieres-par-departement-5155984-4755.php

Occitanie:
https://www.ladepeche.fr/article/2018/06/17/2819568-routes-vitesse-tue-plus-region.html

Den Behörden sind die Unfallschwerpunkte bekannt. Aus regionalen Statistiken geht auch hervor, in welchen Départements besonders undiszipliniert gefahren wird. Man hätte durchaus die Möglichkeit, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, z.B. durch verstärkte Verkehrsüberwachung.
Statt dessen wird ein pauschales Tempo-Limit verhängt und die Jagd auf Tempo-Sünder privaten Firmen übertragen.

Zu Zeiten von Sarkozy hätte man übrigens gleich gefragt, in welchem privaten Verhältnis diese Firmen zur Regierung stünden.

Noch mehr Regen

Es regnet weiter. Vorletzte Nacht waren es 37 mm/m², letzte Nacht nur 7 mm drauf. Der Teich läuft über, die Blumenbeete stehen unter Wasser. 

Bekannte sind auf ihrem Bauernhof fast von der Straße abgeschnitten, weil der Fluss, eigentlich eher ein Flüsschen, über die Ufer getreten und den Weg überschwemmt hat. Mit einem normalen PKW ist da kein Durchkommen mehr! Der Stausee, der den Fluss regulieren soll, ist voll, das Wasser fließt am Überlauf ab, wie es kommt. Und einige Tage mit Sonnenschein  sind nicht in Sicht!  🙁

Nasser Mai

Der Mai hier im Südwesten ist meist feucht und kühl. Doch dieses Jahr war er besonders nass, mit wenig Sonne und durchschnittlich warm. Auch die ersten Junitage waren so feucht, dass das Regenwasser auf dem Rasen und in den Beeten steht. Entsprechend voll ist auch der Gartenteich geblieben.

Die nahen Stauseen laufen über wie hier der Astarac-Stausee  und in den Flusstälern herrscht Hochwasser.

Es ist schade, dass die reiche Blüte vieler Pflanzen so verregnet.

Die Ausbeutung Afrikas

Macron erhielt gerade in Aachen den Karlspreis für seine Verdienste um Europa.  Er stichelte in seiner Rede gegen die deutsche Haushaltspolitik. Zuvor hatte er in einem Interview seine Forderungen nach (deutschen) Transferleistungen in Europa wiederholt.

Vielleicht ist dies ein guter Anlass, sich damit zu beschäftigen, wie Frankreich seit Jahrzehnten immer noch seine ehemaligen Kolonien in Afrika ausbeutet. Frankreich hat seinen ehemaligen Kolonien wie Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo(Brazzaville), Äquatorial-Guinea und Gabun bei ihrer Unabhängigkeit Verpflichtungen aufgezwungen, die diese Länder in ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Selbständigkeit beschränken.

Für die von Charles de Gaulle initiierte und von seinen Nachfolgern fortgesetzte Politik gegenüber den ehemaligen afrikanischen Kolonien ist der Begriff Françafrique geprägt worden.
Unter diesem Begriff versteht man mehr als nur klassische diplomatische Beziehungen. Häufig ist damit die Beteiligung an Wahlfälschungen, an Putsch(versuchen) zur Unterstützung befreundeter politischer Regime oder gar an militärischen Geheimoperationen gegen missliebige Regierungen afrikanischer Staaten gemeint. Nach dem Willen von de Gaulle sollte die traditionelle französische Einflusssphäre trotz Entkolonialisierung aufrechterhalten werden, um weiterhin den wirtschaftlichen Interessen Frankreichs zu dienen. Der Zugang zu Energieressourcen im alten kolonialen Machtbereich, der beispielhaft für die französischen Interessen in Afrika ist, galt als Garant für die energiepolitische Unabhängigkeit und somit den machtpolitischen Einfluss Frankreichs auf internationaler Ebene.

Französisch als Sprache ist Pflicht. Da die „Grande Nation“ beim schmerzhaften Prozess der Entkolonialisierung in den 60er- und 70er-Jahren nie die eigenen Interessen aus dem Auge verloren hat, blieb auch Französisch als Amts- und Lehrsprache Pflicht.

Die Staaten müssen den CFA-Franc¹ als Währung  nutzen, der eng an den Franc gebunden war und heute an den Euro gebunden ist. Allerdings ist Frankreich allein für den CFA-Franc zuständig, die Staaten können sich diesbezüglich nicht an die EZB oder die EU wenden. So wurde zum Beispiel die Abwertung des CFA-Franc 1994 allein durch die Banque de France beschlossen und den CFA-Staaten  mitgeteilt.  Eine Abstimmung mit den Banken der betroffenen Länder fand nicht statt.

Die CFA-Länder haben auf 85 % ihrer Währungsreserven keinen Zugriff, da diese beim Agence France Trésor zu hinterlegen sind. 65 % ihrer Währungsreserven haben die CFA-Länder zu hinterlegen, als Ausgleich für die Garantie der CFA-Franc-Konvertibilität durch die Republik Frankreich. Weitere 20 % ihrer Währungsreserven haben die Länder zu hinterlegen, um finanzielle Unwägbarkeiten abzusichern.

In den CFA-Ländern sind mehrere Tausend französische Soldaten stationiert. Die Militärkooperation mit den dortigen Regierungen soll die amtierenden afrikanischen Präsidenten vor Angriffen schützen und dabei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen dienen.

Seit der Unabhängigkeit seiner afrikanischen Kolonien  hat Frankreich eine Vielzahl von Militärinterventionen in Afrika, vor allem der CFA-Zone, durchgeführt. 1964 führte Frankreich in Gabun seine erste Militärintervention in einem CFA-Staat durch. Seither hat es durchschnittlich alle 14 Monate eine große Militärintervention in Afrika durchgeführt (1964–2007: 37 Militärinterventionen). Ziel dieser Interventionen war es jeweils, Frankreich-freundliche Regierungen an der Macht zu halten oder an die Macht zu bringen. Dabei hat Frankreich wiederholt Diktatoren und Despoten geschützt und demokratische Entwicklungen verhindert.

Die Verträge über die militärische Kooperationen wurden 2008 verlängert und sind daher auch heute noch gültig. Als Gegenleistung erhält Frankreich vorrangigen Zugang zu strategischen Rohstoffen, etwa Diamanten, Erze, Uran sowie Gas- und Ölvorkommen.

Kritiker werfen Frankreich und den regierenden Eliten in den ehemaligen Kolonien vor, der einzige rationale Grund für die Existenz des CFA-Franc sei ein stillschweigendes Übereinkommen, um die Staaten der Franc-Zone auszuplündern. Der CFA-Franc verhindere  eine eigenständige Wirtschafts- und Sozialpolitik der betreffenden Staaten. Er bremse die Entwicklung und behindere die regionale Integration.

Folgerichtig gehören die CFA-Staaten zu den Ländern mit den niedrigsten Einkommen in der Welt. Gleichzeitig gehören sie aber zur Gruppe der hochverschuldeten Entwicklungsländer. Von den vierzehn Staaten haben neun eine Alphabetisierungsrate von unter 50 %. Unter den zehn am wenigsten alphabetisierten Staaten der Welt sind sieben CFA-Staaten. Die vier am wenigsten alphabetisierten Länder weltweit sind die CFA-Staaten

  • Niger mit einer Alphabetisierungsrate von 28,7 %,
  • Tschad mit 25,7 %,
  • Mali mit 24,0 % und
  • Burkina Faso mit 23,6 %.

Die Kinder der CFA-Zone haben – im weltweiten Vergleich – die geringsten Schulbesuchsquoten. So besuchen in Niger nur 36 % der Jungen und 25 % der Mädchen eine Grundschule, in Burkina Faso sind es 35 bzw. 29 %. Weltweit ist die Möglichkeit für Mädchen Schulen zu besuchen in der CFA-Zone am geringsten!

Die politische Elite Frankreichs jedenfalls hat von der Ausbeutung der nun selbständigen Kolonien profitiert. Zum Beispiel erhielt Valéry Giscard d’Estaing Diamanten vom Diktator, „Kaiser“ und Massenmörder Bokassa Koffer mit Geld wurden in den Ex-Kolonien gefüllt und diversen französischen Politkern gebracht. Wiederholt werden Namen wie Chirac, Villepin und Juppé genannt. Es scheint bei diesen „Eliten“ die Befürchtung zu herrschen, dass Frankreich ohne die Ausbeutung Afrikas in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit versinken könnte. Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac soll im März 2008 gesagt haben: „Ohne Afrika würde Frankreich in den Rang eines Drittweltlandes abrutschen.

Es würde hier zu weit führen, die vielen Militärinterventionen und Attentate ausführlich auszuführen. Aber zur Erhaltung von Macht und Ausbeutung ist Frankreich nicht  vor solchen Untaten zurückgeschreckt. Von der Ermordung Olympios in Togo, der angeblich den CFA-Raum verlassen wollte, über den Bürgerkrieg in Kamerun  1964, den Schutz von Massenmördern wie Bokassa oder Habré,  der dubiosen Rolle in Burundi 1994 bis zu heutigen Operationen zieht sich eine blutige Spur durch Afrika.

Und daher müssen wir uns auch fragen, ob Bundeswehrsoldaten in Mali ihr Leben für die Menschenrechte und die Freiheit riskieren, oder ob sie nur die Pfründe einer korrupten Elite schützen müssen.

¹ CFA hieß früher Colonies Françaises d’Afrique, heute Communautés Françaises d’Afrique

Quellen:

https://www.bpb.de/internationales/europa/frankreich/166091/abschied-von-der-francafrique

https://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc-Zone#Franc-W.C3.A4hrungsraum_heute

https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-afrika-101.html

https://www.n-tv.de/politik/Ein-Schattenmann-plaudert-article4281571.html

http://www.businessinsider.com/frances-military-is-all-over-africa-2015-1?r=US&IR=T&IR=T

14 afrikanische Länder von Frankreich gezwungen, Kolonialsteuer für die Wohltaten der Sklaverei und Kolonisierung zu zahlen

Der 8. Mai

Frankreich feiert am 8. Mai die Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit die Befreiung des Landes durch die Amerikaner und Briten.

Aber mitten in Frankreich, in Orléans wird noch eine andere Befreiung gefeiert.  Am 8.  Mai 1429 wurde die Stadt im Hundertjährigen Krieg von der Belagerung durch die Engländer befreit – unter Führung von Jeanne d’Arc, die von da an auch als Jungfrau von Orléans bezeichnet wurde.

An den Feierlichkeiten in Orléans nahm dieses Jahr auch der französische Premier Minister Edouard Philippe teil. Man kann ja einmal spekulieren, ob die Teilnahme eines so hochgestellten Politikers eine Symbolik für den Brexit haben könnte.  :mrgreen:

Bilder von den Feierlichkeiten findet man hier.

Erlebnisse, Erfahrungen, Bemerkungen, Frust eines Großstädters unter Bauern in der hintersten französischen Provinz