Kommt ein Bär geflogen …

Oder genauer gesagt, kommen 2 Bärinnen geflogen! Wegen der Blockade der Bärengegner Anti-Ours mussten die beiden Tieren jeweils getrennt per Hubschrauber in das Gebiet  gebracht werden, in dem sie freigelassen wurden. Allerdings durften sie nicht in die Kabine  😉 , sondern wurden im Käfig per Seil unterm Hubschrauber transportiert.

Zwei Videos zeigen, wie es geschah:

 

Die Bärinnen wurden Claverina und Sorita getauft.

Bei den Blockaden haben die Gegner wohl um sich oder in die Luft geschossen!

https://www.sudouest.fr/2018/10/05/un-premier-ours-lache-en-bearn-tirs-de-fusils-que-risquent-les-antis-5452148-4955.php

Nun wollen die Viehzüchter die Tieren nach Spanien verjagen. Sie müssen sich allerdings fragen lassen, warum in anderen Ländern wie Spanien die Bären so viel weniger Probleme machen wie in Frankreich.

Es gibt auch positive Stimmen wie von dieser Schäferin, die ihren Beruf vom Aussterben bedroht sieht, weil in den Bergen die Schafen nicht mehr gehütet werden.

https://www.francetvinfo.fr/monde/environnement/biodiversite/grand-format-si-l-ours-disparait-mon-metier-va-mourir-le-plaidoyer-d-une-bergere-en-bearn_2863767.html

Die hohen Verluste an Schafen sind wohl darauf zurückzuführen, dass die Viehzüchter die Tiere nicht mehr beaufsichtigen lassen, sondern nur noch alle 2-3 Tage kontrollieren. Und die Bären und Wölfe sind nur zu einem geringen Prozentsatz daran beteiligt.

Neue Bären braucht das Land

Wie der neue Umweltminister François de Rugy verkündete, sollen Anfang Oktober 2 neue Bärinnen aus Slowenien in den West-Pyrenäen ausgewildert werden. Dort leben seit Jahren 2 Bären-Männer ohne die Möglichkeit, sich fortzupflanzen.

Frankreich ist nach den Europäischen Verträgen verpflichtet, sich um die Arterhaltung dieser Tiere zu kümmern. Frankreich war schon 2012 von der EU gerügt worden, nicht genug für die Arterhaltung zu tun.

Im März 2018 hat ein Verwaltungsgericht in Toulouse festgestellt, dass der Staat nicht genügend für den Schutz der Bären in den Pyrenäen tue.

https://www.lemonde.fr/biodiversite/article/2018/03/09/l-etat-condamne-pour-n-avoir-pas-suffisamment-protege-l-ours-des-pyrenees_5268277_1652692.html

Die negativen Reaktionen der Viehzüchter blieben natürlich nicht aus. Sie haben gleich bei ihren Protesten die Gewehre ausgepackt und auf den Tisch gelegt. Sie drohten gleich, den Minister bei seinem Besuch in den Pyrenäen mit  Waffen zu empfangen.

https://www.ladepeche.fr/article/2018/09/20/2872469-deux-nouveaux-ours-vont-etre-laches-annee-pyrenees-annonce-francois.html

https://www.lemonde.fr/planete/article/2018/09/20/pyrenees-occidentales-deux-ourses-slovenes-seront-reintroduites-d-ici-le-debut-du-mois-d-octobre_5357888_3244.html?xtmc=ours&xtcr=2

https://www.sudouest.fr/2018/09/20/bearn-200-personnes-hostiles-a-la-reintroduction-d-ourses-sont-rassemblees-a-asasp-arros-5408099-4462.php

Wie üblich, wenn die französische Landbevölkerung nicht in der Lage ist zu argumentieren, wird Randale gemacht und zur Gewalt gegriffen.

Die Bären und Wölfe sind für ca. 1 % der jährlichen Verluste an Schafen verantwortlich. Aber der Rest kümmert die Viehzüchter offensichtlich wenig.

Kein Land in Europa hat so viele Probleme mit dem Artenschutz wie Frankreich.

Glyphosatverbot wieder gescheitert

Zum zweiten Mal hat sich die Nationalversammlung geweigert, das geplante Glyphosatverbot ins Gesetz aufzunehmen. 42 Abgeordnete stimmten in der Nacht von Freitag auf Samstag dagegen, 35 dafür. Zu den Gegnern zählt auch der Landwirtschaftsminister Stéphane Travert. Der Minister stellt sich damit gegen den ausdrücklichen Willen von Staatspräsident Macron!

Die restlichen 500 Abgeordneten der Nationalversammlung waren offensichtlich nicht anwesend bzw. nicht am Thema interessiert.

Im Mai war der erste Versuch eines Verbots per Gesetzestext gescheitert.

https://www.lemonde.fr/planete/article/2018/09/15/glyphosate-l-assemblee-rejette-a-nouveau-l-interdiction-de-l-herbicide-dans-la-loi_5355545_3244.html

Mehr Pestizide trotz mehr Bio

Das Departement Gers brüstet sich damit, mit 17 % der Agrarfläche führend in der Bio-Landwirtschaft zu sein. So zumindest die Aussage von Philippe Martin, Präsident des conseil départemental du Gers (so eine Art Kreistag) und ehemaliger Umweltminister.  Er gibt zu, dass Bio-Landwirtschaft bisher in Frankreich eher als etwas Folkloristisches angesehen worden war. Außerdem muss er eingestehen, dass es noch immer einen gewissen Widerstand gäbe.

Dies unterstreichen die offiziellen Zahlen über den Verkauf von Glyphosat. Über 241 Tonnen Glyphosat wurden 2016 im Departement verkauft. Von 2009 bis 2016 ist die Menge um 7,19 % gestiegen, obwohl die Bio-Fläche gewachsen ist!

Damit liegt das Departement deutlich vor Hautes-Pyrénées (39 to) oder Aveyron (81 to). Allerdings muss man bei solchen Vergleich berücksichtigen, wie groß die Anbauflächen sind und wie groß Weide- oder nicht genutzte Flächen. Das Gers ist eines der am stärksten genutzten landwirtschaftlichen Gebiete, es wird Wein angebaut und Ackerbau mit Mais und sonstigem Getreide betrieben.

Daher ist die Erkenntnis, dass das Departement Gers  nun auch das berüchtigte Departement Gironde (Bordeaux-Weine) im Glyphosat-Verbrauch übertreffen soll, wirklich erschreckend. Und das alles, obwohl es zugleich die Bio-Hochburg des Landes sein soll!

Quelle: Le paradoxe gersois entre bio et glyphosate

Damit man über die Glyphosat-Diskussion die anderen Pestizide nicht vergisst, hier noch die anderen 4 häufigsten Pestizide:

Diese Pestizide gelten als vermutlich krebserregend. Mancozeb steht im Verdacht, Missbildungen bei Föten zu verursachen.

Pinkeln mit Blick auf die Seine

In Paris wurden testweise neue Öko-Pinkelstationen (Pissoirs oder Urinoirs) aufgestellt. Der Urin soll darin gefiltert und kompostiert werden. Für Unmut sorgte die exponierte Lage der Urinale – und die mangelnde Privatsphäre. Aber die war französischen Männern schon immer egal.

Man beachte auch das Hinweisschild, das einen ausreichenden Abstand und Winkel zum Urinal vorgibt. :mrgreen: Paris ist um eine Touristenattraktion reicher.  😉

Weiter Infos dazu:

http://video.lefigaro.fr/figaro/video/les-urinoirs-parisiens-font-polemique-mais-amusent-les-touristes/5821853193001/

http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2018/08/07/97001-20180807FILWWW00065-un-nouveau-uritrottoir-la-pissotiere-ecolo-installe-a-paris.php

Nochmal Tempo 80

Nun darf man seit einigen Wochen mit maximal 80 km/h über Frankreichs zweispurige Straßen bummeln. Das Ziel dieser Maßnahme soll es ja sein, bei Frontalzusammenstößen die Wucht des Aufpralls zu verringern und so den Insassen mehr Überlebenschancen zu bieten.

Für dreispurige Straßen ohne Trennung gilt aber weiterhin Tempo 90 für die Fahrtrichtung mit den zwei Spuren, Tempo 80 für die einspurige Richtung. Welchen Sinn macht das? Gibt es hier weniger Chancen für den Frontalzusammenstoß?

Auf einem zweispurigen Autobahnzubringer ohne Trennung namens A641 durfte ich kürzlich auch noch Tempo 90 nutzen. Ist auch hier das Risiko geringer?

Die eigentlichen Unfallursachen bleibe beim neuen Tempolimit völlig außer acht! Alkohol, Telefonieren und andere Ablenkung sowie mutwilliges Rasen. So raste vor wenigen Tagen ein Lieferwagen mit der Aufschrift „dpd“ mit ca. 100 km/h durchs Dorf, der Fahrer hatte sichtbar sein Smartphone in der rechten Hand vor sich und war ganz darauf konzentriert. Ich bin sicher, der Kerl hat weder mich noch meinen Hund am Straßenrand gesehen! Solche Typen gehören aus dem Verkehr gezogen, um Frankreichs Straßen sicherer zu machen! Und das geht nur mit besserer Überwachung.

Immer mehr Pestizide!

Die SudOuest meldete heute die üble Information, dass der Pestizidverbrauch in Frankreich in den Jahren zwischen 2014 und 2016 um 12 % gestiegen sei. Diese Zahl veröffentlichten die Ministerien für Landwirtschaft, Gesundheit, Forschung und Ökologische Wende.

https://www.sudouest.fr/2018/07/29/l-usage-de-pesticides-a-augmente-de-12-en-deux-ans-en-france-5270734-10407.php

Die Pläne der diversen Regierungen seit 2008 zur Begrenzung des Pestizidverbrauchs auf 50 % bis 2018  sind gescheitert. Die 4 Ministerien haben daher neue Aktionspläne vorgestellt.

Ausflug zum Bassin d’Arcachon

Letztes Wochenende unternahmen wir einen Ausflug zum Bassin d’Arcachon und zur Dune du Pilat. Wir hatten dazu ein Hotel am Strand in Andernos-les-Bains gebucht. 

Am Freitag Mittag fuhren wir zunächst über die Autobahn Richtung Bordeaux und dann über breite, leere Landstraßen der Gironde zum Südrand des Bassin und von dort über Stadt-/Dorfstraßen durch eine ganze Reihe von Gemeinden zum Hotel. Es war schon eine langweilige Zuckelei mit Tempo-80 über diese Landstraßen 🙁 , noch mühsamer war dann die Fahrerei über die Dorfstraßen von Biganos bis Andernos-les-Bains.

Das Bassin ist ziemlich flach und wirkt bei Ebbe leer.  Bei Flut watet man viele Meter bei Andernos-les-Bains durch nicht einmal Knie-tiefes Wasser, das piss-warm ist. :mrgreen:

Am nächsten Morgen stand dann der Besuch der Düne von Pilat auf dem Programm. Die A660 bzw. N250 war ziemlich voll und es gab reichlich Stau. Zum Glück wollten die wenigstens zur Düne, sondern wohl nach Arcachon.

Der Parkplatz an der Düne war schattig, der Weg zu Aufstieg auch. Obwohl eine Treppe mit Betonstufen auf die Düne führt,  entschieden wir uns für den Aufstieg durch den Sand – bei vollem Sonnenschein.

Die Dune du Pilat ist die größte Wanderdüne Europas,  bis zu 110 Meter hoch, ca. 500 Meter breit, etwa 2,7 Kilometer lang und von Pinienwäldern umgeben.

Am Sonntag besuchten wird das Cap Ferret auf der gleichnamigen Halbinsel, die das Bassin fast verschließt. Wieder waren viele Autos unterwegs und es gab Staus – verursacht durch die Kreisverkehre der D106 – bis zu den ersten Ortschaften auf der Halbinsel.

Unser erster Halt war der Südzipfel – „La Pointe„. Von dort hat man einen guten Ausblick auf die Düne auf der anderen Seite.

Nächster Halt war am Leuchtturm von Cap Ferret. In Anbetracht der Temperaturen – 30° – haben wird uns den Aufstieg zu Fuß (kein Aufzug 🙁 ) erspart.

Letzter Halt war dann in L’Herbe, wo eine Kapelle im orientalischen Stil von einem Algerien-Heimkehrer im 19. Jahrhundert direkt am Strand erbaut worden war. Bei L’Herbe schien das Bassin etwas tiefer zu sein – zumindest bei Flut.

Die Abendessen nahmen wir in Andernos-les-Bains ein. Obwohl in der Bucht Austern gezüchtet werden, war die örtliche Gastronomie doch sehr von den touristischen Standardgerichten wie Pizza und Burger geprägt.

Montag ging es dann zurück.

Gewitter

Nach einigen heißen, trockenen Tagen kamen nun die unausweichlichen Gewitter. Das erste fegte kurz, aber heftig über uns hinweg, „frisierte“ Bäume und Sträucher in Windrichtung und brachte in kürzester Zeit 25 mm/m² Regen.  Überraschender Weise konnte alle 3 Wettervorhersagen übereinstimmend die Uhrzeit des Beginns fast genau voraussagen. Das haben die noch nie geschafft.  :mrgreen:

Am nächsten Tag fast zur selben Zeit kam das nächste Gewitter. Der Wind setzte seine Arbeit fort und riss den Wein von der Stallwand. Der Regen war weniger heftig, länger anhaltend und brachte es auch auf 22 mm/m².

Erlebnisse, Erfahrungen, Bemerkungen, Frust eines Großstädters unter Bauern in der hintersten französischen Provinz