Brennende Reifen

Es ist Winter, die Bauern haben wenig zu tun und langweilen sich. Also machen sie Randale! Offizielle Grund: neue Regeln für die Zuteilung der Subventionen.

Nachdem sie  kurz zuvor Montauban blockiert haben, haben sie gestern den Autobahnring um Toulouse blockiert. Sie haben damit Leute auf dem Weg zur Arbeit behindert und quasi als Geiseln genommen, Leute, die nun überhaupt nichts mit dem Problem zu tun haben und auch daran nichts ändern können. Sie haben ihre Traktorreifen auf der Autobahn verbrannt (mussten ja billig entsorgt werden), die Umwelt so verpestet und die Fahrbahnoberfläche beschädigt. Die Umwelt ist den Bauern ohnehin egal, wie man ja an der reichlichen Verwendung von Pestiziden erkennt. Die Fahrbahnschäden zahlt die Allgemeinheit.

Von Polizei und Gendarmerie war wieder nichts zu sehen. Wann macht endlich der sonst nicht so zimperliche Staat Schluss mit dem Bauernterror? Wann werden sie endlich zur Verantwortung gezogen.  Da die Traktoren auf der Autobahn eine erheblich Gefährdung des Verkehrs darstellen, hätte die Polizei vermutlich sogar die Möglichkeit, diese zu beschlagnahmen. Aber zumindest hätte die Polizei die Personalien feststellen müssen, um den Bauern die Rechnung für die Schäden und den Polizei-Einsatz zustellen zu können.

Die Polizei hat sich jedoch darauf beschränkt, die Straßen um die Präfektur abzuriegeln. Nachmittags waren Bauern in die Stadt gefahren, habe dort ihr überflüssiges Stroh abgeladen und angezündet. Auch hier wieder kein Einschreiten der Polizei! Das Entfernen des Drecks und die Straßenreparaturen zahlt der unbeteiligte Bürger von Toulouse!

Es ist schon erstaunlich, wie eine schrumpfende Minderheit, eine nicht sonderlich bedeutende Wählergruppe eine solchen Staat wiederholt terrorisieren darf!

Quellen:

http://www.sudouest.fr/2018/01/31/agriculteurs-en-colere-une-manifestation-bloque-le-peripherique-a-toulouse-4159737-5458.php

Fotos und Video: https://www.ladepeche.fr/article/2018/01/31/2732756-mobilisation-des-agriculteurs-sur-le-peripherique-de-toulouse-aujourd-hui.html

Videos: https://www.ladepeche.fr/article/2018/01/31/2732896-bouchon-toulouse-est-galere-avais-cours-10-heures-ai-partir.html

Nutella

Nutella ist des Franzosen Lieblingsspeise. Und Frankreich ist Nutellas bester Absatzmarkt. Allerdings ist die Zusammensetzung je nach Land unterschiedlich. So soll Nutella in Frankreich noch süßer sein als in Deutschland.

Die Supermarkt-Kette Intermarché machte diese Woche ein Sonderangebot für Nutella mit einem Preisnachlass von 70 %! Da konnten sich die Gourmets in diesem Land der sagenhaften Feinschmecker nicht mehr zurückhalten und stürmten die Supermärkte. Es kam landesweit zu tumultartigen Gedränge und zu Prügeleien.

 

 

Weitere Quellen:

http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2018/01/25/97001-20180125FILWWW00150-des-scenes-d8217emeutes-pour-du-nutella.php

http://www.sudouest.fr/2018/01/25/une-promo-sur-le-nutella-tourne-a-l-emeute-4142589-5458.php

Tempo 80 zum Zweiten

Die Unfallstatistik in Frankreich zeigt deutliche regionale Unterschiede. So kommt die Region Occitanie darin schlecht weg. Nach dem Unfallindex lg (Anzahl Tote je 100 Unfälle) liegt die Region bei 11,3 bei einem Landesdurchschnitt von 6,1. Das Departement Gers liegt mit 15 noch höher. Es hatte 2016 23 Verkehrstote zu beklagen, hoch gerechnet auf die Kennzahl für 1 Million Einwohner wären das 115! Zur Erinnerung: Frankreich im Schnitt 54.

Vielleicht könnte ja eine Regierung einmal aufgrund solcher Statistiken so intelligent sein, in den betroffenen Gebieten einerseits die Verkehrsüberwachung zu verstärken und andererseits dort vermehrt in den Straßenbau zu investieren. Aber welches Land hat schon eine intelligente Regierung?

Aber offensichtlich die Regierung will nicht wirklich die Unfallursachen beseitigen, sondern nur die Statistik schönen. Ist ja auch billiger! Da lässt man dann lieber die Provinzen weiter verkommen. Hier gibt es immer noch viele „Straßen“, die nicht einmal die Bezeichnung „zweispurig“ verdienen. Wenn auf diesen die zulässige Geschwindigkeit gesenkt und tatsächlich auch überwacht würde,  wäre das eine gezielte, sinnvolle Maßnahme. Aber das könnte Politik und französische Autofahrer überfordern.

Tempo 80

Frankreich führt nun zum 1.7.2018  Tempo 80 (80 km/h) auf allen zweispurigen Landstraßen ohne Trennstreifen ein. Ziel ist es, die Anzahl der Verkehrstoten zu senken, in 2016 3.655 laut der einen Statistik oder 54 Tote je Million Einwohner in 2015 laut der anderen Statistik. Für die Senkung der Geschwindigkeit spricht der kürzere Bremsweg aus 80 km/h und ein weniger gewaltsamer Aufprall beim Frontalzusammenstoß!

Es geht also nicht darum, Unfälle zu vermeiden, sondern darum, die Statistik zu schönen mit weniger Toten. Im Prinzip der Offenbarungseid der französischen Verkehrspolitik!

Unter Sarkozy als Innenminister und später als Präsident fiel die Zahl der Verkehrstoten, unter Hollande stieg sie wieder an. Das deckt sich mit meinem subjektiven Eindruck, dass unter Hollande die Anzahl der mobilen Radarkontrollen auf den Landstraßen weniger wurde.

Welchen Sinn macht diese Maßnahme, wenn die Regierung nicht in der Lage oder willens ist, die bestehenden Tempolimits 50, 70, 90 (oder nun 80) auch durch intensive Kontrollen durchzusetzen?

Auf den Landstraßen wird hemmungslos gerast. Kleine Ortsdurchfahrten ohne Schwellen werden nicht zur Kenntnis genommen, da geht keiner vom Gas! Tempo 70 interessiert kaum jemanden, so lange dort nicht gemessen wird! Und das wird es nicht. Und wer hält sich schon an 90, wenn nicht gerade so ein lächerliches Warnschild auf den nächsten Radar hinweist? Wann werden endlich diese Warnschilder abgebaut?

Ich kenne einige Stellen auf der Autobahn oder auf der Landstraße, wo so ein Warnschild in einem Bereich reduzierter Geschwindigkeit steht, das Radargerät aber erst dahinter außerhalb. Was soll das? Will man nicht wirklich Temposünder fangen?

Und was ist mit den weiteren Unfallursachen wie Telefonieren mit Portable am Ohr während der Fahrt? Oder Alkohol am Steuer? Wo ist denn die Gendarmerie bei den Ortsfesten hier im Sommer? Jedenfalls nicht in der Nähe.

Außerdem könnte es nicht schaden, wenn die Franzosen wieder das Rechtsfahren lernen würden, keine Kurven mehr schneiden oder durchgezogene Linien auf der Fahrbahnmitte respektieren würden.

Noch ein Blick in die Statistik: In den kleinen Ländern wie Dänemark und Niederlande gilt Tempo 80, ebenso wie im größeren Finnland. Finnland lag 2015 mit 49 Toten je Million Einwohner vor Frankreich, aber hinter dem „RaserlandDeutschland (43). Und vor Dänemark und Niederlande (je 31) lag noch Großbritannien mit 28, wo man doch dort ca. 96 km/h fahren darf. Auch Spanien mit 36 lag 2015 klar vor Frankreich, aber in Spanien darf man nicht nur 90 km/h, sondern auf auch mal 100 km/h auf der Landstraße fahren, wenn die Straße besonders gut ist. Und Frankreich hat übrigens oft schlechtere Straßen als Spanien. Vielleicht  sollte Frankreich auch mal in den Straßenbau investieren: LKWs, Traktoren und auch PKWs werden immer breiter, Frankreichs Landstraßen eher nicht.

Die Umrüstkosten für Straßenschilder und stationäre Radars hat die Regierung mit 5 bis 10 Millionen Euro veranschlagt.

Wieder mehr Wasser

Während vor einem Jahr der Teich fast leer war, haben Regenfälle im Dezember und zum Jahresbeginn ihn wieder zu füllen begonnen.

Vielleicht erreicht er ja zum Frühjahr den üblichen Wasserstand.

Die Temperaturen sind nach einigen Frostnächten Anfang Dezember letzten Jahres sehr mild, so dass auch die Bananenstauden wieder austreiben. Ich hatte nach dem Frost ihre braunen Blätter abgeschnitten und die Stämme geschützt.

      

Das Wetter war so feucht, dass wir dieses Jahr nicht die Krippenrunde abgefahren sind. 🙁

Trotz des milden Wetters sehen wir nur wenige kleine Vögel! Drosseln, Eichelhäher, Elstern oder Krähen gibt es reichlich. Gelegentlich sieht man ein Rotkehlchen. Aber wo sind die Meisen oder die Bachstelzen geblieben? Sind sie die nächsten Opfer der Pestizid-Wut der Bauern hier? Wir haben ja schon auffällig wenig fliegende Insekten, kaum noch Hummeln oder Bienen. Sind nun die Vögel die nächsten in der Nahrungskette, die wegfallen? Selbst wenn Pestizide nicht direkt für den Menschen gefährlich sein sollen, so sind die Schäden für die Umwelt, für die Vielfalt in der Natur nicht mehr zu übersehen. Aber was haben französische Landbewohner schon mit Natur und Umwelt im Sinn?

 

Weniger Pestizide im Bordeaux-Wein

Die Zeitschrift UFC-Que choisir hat wieder einmal Weine auf Pestizid-Rückstände testen lassen. Diesmal hat sie sich auf 40 Bordeaux-Weine konzentriert und fest gestellt, dass der Pestizidgehalt auf ein Drittel gegenüber ihrem Test von 2013 gesunken sei.
2013 hatte man aber Weine aus ganz Frankreich getestet. Dabei hatte man 33 verschiedene Rückstände gefunden. Nun hat man nur noch 11 verschiedene Rückstände ermittelt. Der durchschnittliche Pestizidgehalt soll von 268 µg/l auf „nur“ 91 µg/l zurückgegangen sein.
(Zum Vergleich: Grenzwert für Trinkwasser 0,5 µg/l, ab 5 µg/l darf Wasser nicht mehr zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden.)

3 Weine galten als rückstandsfrei: Château Durfort-Vivens, Château Pontet-Canet, Château Clerc Milon. Und 3 Weine enthielten nur noch geringe Spuren: Château Beychevelle , Alter Ego de Palmer, Château Malescot Saint-Exupéry.

Die gefundenen Rückstände wurden als ungefährlich eingestuft – mit Ausnahme von Iprodion, das sich in „sehr geringen Mengen“ in den Weinen Château Prieuré-Lichine, L’Héritage de Chasse-Spleen, Mouton Cadet (Philippe de Rothschild) befand.

Quellen:
http://www.sudouest.fr/2017/12/27/vins-de-bordeaux-il-y-a-trois-fois-moins-de-pesticides-qu-en-2013-4067237-713.php

http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2017/12/28/97001-20171228FILWWW00014-moins-de-pesticides-dans-les-vins-de-bordeaux.php

Leider ist der Test von UFC-Que choisir online nur noch für Abonnenten lesbar.

Frankreich und seine Wölfe

Und wieder kochte die Wut der Bauern und Viehzüchter hoch in Frankreich! Die Regierung hat ihre neuen Pläne für die Wolfspopulation in Frankreich für die nächsten Jahren vorgestellt. Danach sollen ab 2018 nur noch Viehzüchter einen Ersatz der Schäden durch Wölfe erhalten, wenn sie Maßnahmen zum Schutz ihrer Herden ergriffen haben. Bisher hatten sich die Viehzüchter trotz Subventionen u.a. geweigert, Schutzhunde anzuschaffen, weil sie damit die grundsätzliche Anwesenheit der Wölfe in Frankreich anerkennen würden. Ziel dieser Leute ist es ganz offensichtlich, die Wölfe in Frankreich erneut auszurotten.

Die Abschussquote soll zukünftig bei 10 % der Population liegen, in Ausnahmefällen bis zu 12 %.  Das reicht den Züchtern natürlich nicht!

In 2016 sind 3,5 Mio Euro als Entschädigungen an die Viehzüchter gezahlt worden.

Die Pläne sollten am 12.12. in Lyon mit den Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden. Die Verbände der Viehzüchter sind aber der Einladung dazu nicht gefolgt. Wie so üblich in Frankreich wird nicht diskutiert und nach Kompromissen gesucht, sondern starr auf einer Postion verharrt und jedes Gespräch abgelehnt.

Seltsam sind die Zahlen und Behauptungen, mit denen eine öffentliche Diskussion geführt wird:

Ca. 360 Wölfe soll es in Frankreich geben. Die Abschussquote wurde auf 40 festgelegt (ca. 11 %). Diese 360 Wölfe sollen in 2016 9.900 und in 2017 bis zum 30.11. schon 11.000 Schafe getötet haben.  Zum Vergleich: Die ca. 160 Wölfe in Deutschland sollen im Zeitraum 2015-2016 ca. 700 Nutztiere getötet haben.

Der Pseudo-Grüne und Europa-Abgeordnete José Bové und das Nationale Büro für die Jagd verbreiten die Behauptung, viele der Wölfe in Frankreich seien Hybride zwischen Wolf und Hund. Damit würden diese Tiere aus dem Artenschutz fallen und könnten abgeschossen werden. Diese Behauptung wurde inzwischen aber durch Untersuchungen widerlegt.

Gegen die Herdenschutzhunde wurde von den Verbänden argumentiert, dass diese bei ihren Aktionen auch schon Schafe über die Klippen in den Abgrund getrieben hätten und dass die Viehzüchter für Bisse an anderen Bergbewohnern und -nutzern haften müssten. Nicht erwähnt wurde, dass die Hunde regelmäßig gefüttert werden müssen und somit die Herden täglich aufgesucht werden müssten, also nicht mehr länger sich selbst überlassen bleiben können.

Zur wirtschaftlichen Bedeutung der Schafzucht in Frankreich hatte ich hier schon Zahlen genannt.

Quellen:

http://www.lefigaro.fr/sciences/2017/12/13/01008-20171213ARTFIG00225-les-eleveurs-en-colere-contre-le-nouveau-plan-loup.php

http://www.sudouest.fr/2017/12/13/le-plan-loup-2018-2023-fait-deja-gronder-4030746-706.php?xtmc=loup&xtnp=1&xtcr=1

 

Erlebnisse, Erfahrungen, Bemerkungen, Frust eines Großstädters unter Bauern in der hintersten französischen Provinz